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Draußen

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24 Stunden unterwegs mit einem Obdachlosen

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Obdachlose trinken draußen, schlafen draußen, leben draußen.

Sie sind draußen, raus aus der Gesellschaft.

In Bremen leben etwa 500 Menschen auf der Straße.
Peter True sagt, es werden immer mehr. Die Innere Mission sagt das auch.

Der Winter ist für Peter und die anderen Obdachlosen die schwierigste Zeit. "Die beschissenste Zeit", wie Peter sagt. 

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Peter True muss das wissen, er lebt seit 2003 auf der Straße, mit Unterbrechungen.

Er ist 59 Jahre alt, gelernter Werkzeugmechaniker. Umgeschulter Industrieelektroniker. Arbeitslos seit rund 15 Jahren. Ex-Mann, Ex-Hausbesitzer; Vater ist er noch. Auch wenn er seinen Sohn seit 14 Jahren nicht gesehen hat.

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Wir, China Hopson und Kathrin Aldenhoff, haben Peter True einen Tag und eine Nacht lang begleitet, 24 Stunden.

Wie kommt einer wie Peter auf der Straße aus - und wie kam er überhaupt dorthin?


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Unser Tag mit Peter beginnt morgens um zehn Uhr in der St.-Pauli-Gemeinde. Dienstags gibt es hier immer Frühstück für Menschen, die wenig Geld haben.

Peter kommt fünf Minuten später. Wach ist er schon viel länger.

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Eigentlich ist es für Peter kein Problem, genug zu essen zu bekommen. Das gibt es für Obdachlose und andere Bedürftige an verschiedenen Orten in der Stadt. Man muss nur wissen wann und wo.
 
Peter weiß das. Diese Zeiten geben seinen Tagesablauf vor. 

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Nach vielen Jahren auf der Straße kennt Peter die Orte, an denen es Essen für Obdachlose gibt. Am Lucie-Flechtmann-Platz in der Neustadt gibt es zum Beispiel einen Food-Sharing-Schrank.
Leute können dort Lebensmittel hineinlegen, die bei ihnen übrig geblieben sind. Manche kaufen Sachen extra für den Schrank, sagt Peter.


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Heute sieht es schlecht aus:
Fast nur vergammeltes Obst und Gemüse.
Peter sagt, im Sommer klappt das besser, dann findet er dort manchmal etwas für sich.
Diesmal nimmt Peter nichts mit.

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Um 12.30 Uhr gibt es Essen vor dem Hauptbahnhof. Die Caritas verteilt im Winter Suppe, immer dienstags und donnerstags.

Peter sagt, er kann Suppe nicht mehr sehen. 

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Essen tut er sie trotzdem. Und er hatte Glück: Er hat die vorletzte Portion Linsensuppe mit Würstchen bekommen. Weil er erst eine Viertelstunde nach Beginn der Essensausgabe in der Schlange stand.


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Er isst die Suppe im Stehen, in einer Viertelstunde. Dann gehen wir weiter, in Richtung Lloydhof.
Dort verteilen die Suppenengel Essen und Kaffee an Bedürftige.

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Weil es an vielen Orten kostenlos Essen und Kaffee gibt, braucht Peter nicht viel Geld am Tag, drei Euro reichen ihm. Damit kauft er Bier, ab und zu Schokolade oder etwas anderes zu essen. Und wenn er mal mehr hat, dann kauft er sich ein Päckchen Tabak.

Hartz IV bekommt Peter schon länger nicht mehr. Er müsste zum Amt gehen und einen Neuantrag stellen. Dafür wiederum bräuchte er Papiere. Und die hat er nicht.

Also sammelt Peter Flaschen.

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Peter läuft viel,
durch die ganze Stadt,
durch die Parks,
auf der Suche nach Flaschen.

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Wenn er gerade nicht Flaschen sammelt, trifft sich Peter mit Bekannten am Bahnhof: Manni, Dieter mit dem Rollator und noch ein paar andere stehen dort, reden, trinken Bier. 

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Zu den Menschen aus seinem früheren Leben hat Peter keinen Kontakt mehr. Weil er sich nicht gemeldet hat. Manche sind auch weggezogen, andere gestorben.

Die Menschen, die er jetzt um sich hat, kennt er von der Straße.

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Zu seinen drei Geschwistern hat Peter seit Jahren keinen Kontakt. Er spricht nicht gerne über sie.
Sagt nur: "Ich lass mir nicht gerne helfen."

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Wir haben uns bei den Suppenengeln im Lloydhof aufgewärmt, sind auf die Toilette gegangen, Peter hat einen Kaffee getrunken. Als wir rauskommen, öffnet Peter das erste Bier.

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Alkohol trinken fast alle auf der Straße, viele trinken die harten Sachen. Hat Peter auch, aber bevor er auf der Straße landete.

"Das hat mich wachgerüttelt, plötzlich auf der Straße zu stehen", sagt er. Seitdem trinkt er nur noch Bier, sechs bis acht halbe Liter können es über den Tag verteilt schon werden.

Manchmal nimmt er auch schon morgens einen Schluck, zur ersten Zigarette.

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Tagsüber sind alle unterwegs, von einer Essensausgabe zur nächsten. Der Abend ist langweilig, sagt Peter.
Um acht Uhr holt er seinen Schlafsack, seine Isomatte und seine Decke aus dem Versteck. Wo das ist, ist geheim.


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In dem Durchgang schläft Peter nicht allein, sondern zusammen mit einem Kumpel und dem Mann, den alle "den Ungar" nennen. Alleine Platte machen ist zu gefährlich. "Es gibt zu viele Bekloppte", sagt Peter.

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Vom Flaschensammeln, dem vielen Laufen, ist Peter abends müde. Und wenn das nicht reicht, hilft das Bier. 

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Um halb 6 ist Peter aufgewacht. Alles geht von vorne los: Schlafsachen einpacken, verstecken, zum Bahnhof laufen, warten bis die Bahnhofsmission um acht Uhr öffnet, Kaffee trinken, Zeitung lesen.

Mittags wird er seinen Freund Markus treffen. Der wird ihn mitnehmen in seine Wohnung. Peter wird bei ihm duschen, eine Nacht auf dem Sofa schlafen. Und dann wieder zurück auf die Straße gehen.

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Eine Multimedia-Reportage des WESER-KURIER

Autorin:
Kathrin Aldenhoff

Fotos und Videos:
China Hopson

Technische Unterstützung:
Christian Walter

Redaktion:
Klaas Mucke

veröffentlicht am 30. Januar 2016

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Kapitel 1 Peter True

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Kapitel 2 Essen

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Kapitel 3 Geld verdienen

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Kapitel 4 Freunde

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Kapitel 5 Alkohol

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Kapitel 6 Credits

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