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Nigeria

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Eine Multimedia-Reportage von Alice Echtermann

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Nigeria ist ein Land der Widersprüche und Extreme.

Geschätzte 186 Millionen Menschen leben dort. Es ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas, und das mit der größten Wirtschaftskraft in Westafrika.

Eine Demokratie, reich an Öl - in der etwa 50 Prozent der Menschen von weniger als 2 Dollar pro Tag leben.

Ein Land, aus dem die Menschen fliehen.

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Auch James Olusanmi hat als junger Mann seine Heimat verlassen. In Bremen studierte er Ingenieurswissenschaften und heiratete eine Deutsche. Später kehrte er mit seiner Familie nach Nigeria zurück. 

Heute pendelt der 71-Jährige zwischen Bremen und Lagos. Er setzt sich mit einer kleinen Stiftung gegen Armut, für Bildung und erneuerbare Energien in Nigeria ein.

Er war immer schon ein großer Kritiker der Zustände in seinem Land. Das Hauptproblem für ihn? Die Politiker.

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Bevor die Krise kam, hatte Nigeria gute Voraussetzungen, eine große Wirtschaftsmacht zu werden.

Das Öl hätte das Land reich machen können. Doch von dem Reichtum haben seit je her nur einige wenige Nigerianer profitiert.

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Der Wohlstand verteilt sich auf eine kleine Elite.
In Lagos, der größten Stadt Nigerias, zeigt er sich in Form von schicken Hotels, neuen Einkaufszentren und teuren Autos.

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Nigeria ist der größte Ölexporteur Afrikas. Die gesamte Wirtschaft ist auf dieser Ressource aufgebaut. Diese Abhängigkeit rächt sich nun.
Seit der Preis für Rohöl international gefallen ist, steckt das Land in einer schweren Rezession. Nun werden Benzin und Diesel knapp - denn sie werden aus dem Ausland importiert.
Und die Tankstellen verfallen eine nach der anderen.

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Die Korruption ist für James Olusanmi eines der größten Hindernisse im Land. Sie führe dazu, dass Armutsbekämpfung am Ende nur mehr Armut hervorbringe, sagt er. Weil sich die falschen Leute das Geld in die Tasche stecken.

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Modupe Tijani ist eine von denen, die sich kaum noch Essen leisten können. Die 28-Jährige ist Witwe, ihr Mann starb vor drei Jahren. Sie hat vier Kinder.

Tijani verkauft kleine Beutel mit Trinkwasser und verdient so am Tag etwa 350 Naira, etwas mehr als einen Euro.

Manchmal kann sie ihren Kindern nur "Gari" zum Essen geben, einen Brei aus Maniokpulver. Schlafen müssen sie in einer Kirche - sie sind obdachlos.

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Olaide Soetan geht es etwas besser. Auch sie ist Witwe und hat vier Kinder. Aber die 43-Jährige hat einen Job: Sie arbeitet als Bäckerin.
Sie schafft es, jeden Tag 200 Naira zurückzulegen. Für die Miete, Schuluniformen oder für Notfälle.

Nach dem Tod ihres Mannes wäre Soetan beinahe auch obdachlos geworden. Die Familie des Ehemanns jagte sie aus dem Haus, in dem sie fast 20 Jahre gelebt hatte. Sie wollten ihr sogar ihre Kinder wegnehmen, sagt sie.

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Olaide Soetan ist eine starke Frau. Sie ist neugierig, offen, und sie lässt sich von den Sorgen des Alltags nicht unterkriegen.

Das hat sie der Tod ihres Mannes gelehrt.

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Viele Nigerianer fliehen vor der Armut. Sie verlassen ihr Land - für eine bessere Ausbildung, ein Studium, oder einfach für Arbeit.

2016 kamen nach Angaben der Vereinten Nationen 36.388 Nigerianer über das Mittelmeer nach Europa. 
Damit sind 10 Prozent aller Mittelmeer-Flüchtlinge Nigerianer. Nur aus Syrien und Afghanistan kamen 2016 noch mehr Menschen. In Italien machen die Nigerianer sogar die größte Gruppe der Ankommenden aus (21 Prozent). 

Die, die es schaffen, kehren ihrem Land oft für immer den Rücken.

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Biodun Azeez musste nicht fliehen, keine Schlepper bezahlen. Er kam mit einem Stipendium nach Russland und studierte Informatik in Moskau. 

Vier Jahre sah der 27-Jährige seine Familie nicht. Dann kehrte er zurück nach Nigeria. Nun sucht er in seiner Heimatstadt Osogbo vergeblich Arbeit - mit seinem Studium ist er überqualifiziert, es gibt nur Gelegenheitsjobs. Gerne würde er noch seinen Master-Abschluss in den USA machen.

Bleiben will Biodun Azeez im Ausland aber nicht.  

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Nigeria ist ein zweigeteiltes Land: Der Norden ist muslimisch geprägt, der Süden christlich. 

Die Spaltung führt immer wieder zu blutigen Konflikten. Es geht dabei sowohl um Religion, als auch um ethnische Zugehörigkeiten. So auch in Zentralnigeria: Dort bekämpfen sich seit Jahrzehnten christliche Bauern und muslimische Hirten vom Stamm der "Fulani".

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Die religiösen Konflikte spielen sich vor allem im Norden Nigerias ab. Dort regiert der Terror.

Seit 2009 starben in Nigeria laut Global Terrorism Index über 15.600 Menschen durch Anschläge der radikalen Islamisten von Boko Haram.

Übersetzt bedeutet der Name der Organisation "Bildung ist Sünde". 2014 entführten die Terroristen 276 Schulmädchen aus Chibok. Bis heute sind nicht alle von ihnen zurückgekehrt. 

Im selben Jahr rief Boko Harams Anführer Abubakar Shekau im Norden Nigerias ein Kalifat aus und schwor dem Daesch in Syrien und dem Irak die Treue.

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Die nigerianische Regierung geht mit äußerster Härte gegen die Terroristen vor. Mit Erfolg - die Anschläge nehmen ab, Boko Haram ist geschwächt. Allerdings zieht sich die Organisation nun in die Nachbarländer zurück.

Und der Terror und der Krieg gegen den Terror haben einen hohen Preis: Sie haben das Land zerstört.

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Die Vereinten Nationen gehen aktuell von zwei Millionen Binnenflüchtlingen in Nigeria aus.

Das Resultat der Gewalt ist eine Hungersnot, die sich auch auf die angrenzenden Gebiete der Staaten Niger, Tschad und Kamerun erstreckt. 

Bei einer Geberkonferenz im Februar in Oslo sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), Deutschland werde in den kommenden drei Jahren 120 Millionen Euro für humanitäre Hilfe und die Stabilisierung der Region bereitstellen.

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Im Süden Nigerias, vor allem im Südwesten, leben Christen und Muslime friedlich zusammen. 

In der Metropole Lagos liegen Kirchen und Moscheen oft nur wenige Meter voneinander entfernt.

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Die Yoruba sind ein altes Volk, das im Südwesten Nigerias lebt. Egal ob Christ oder Muslim - viele von ihnen glauben immer noch an Naturgötter und Geister.

In Osogbo wird die Flussgöttin "Osun" verehrt.  Im heiligen Osun-Hain - seit 2005 Unesco-Weltkulturerbe - sieht man oft geopferte Lebensmittel zu Füßen von Statuen liegen.

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Immer im August findet hier das Osun-Festival statt, bei dem Tausende zum heiligen Fluss pilgern.

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Weit verbreitet ist auch der Glaube an Flüche und Hexerei. 

Abiodun Ojunleye glaubt fest daran, verflucht zu sein. Der 60-Jährige ist Christ, lebt in Lagos und arbeitet als Taxifahrer. Er verlor innerhalb kurzer Zeit seine Frau, seinen Vater und seinen 25-jährigen Sohn.

Seinen Schilderungen nach starben sie wahrscheinlich an Krankheiten. Doch Ojunleje erklärt sich die persönliche Tragödie anders: mit einem "spirituellen Angriff". Einem Fluch.

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Für junge Nigerianer wie Biodun Azeez spielt die Religion keine so große Rolle mehr. Der 27-Jährige ist Muslim, seine Freundin sei Christin, sagt er.

In der tiefen Religiosität der Nigerianer sieht Azeez sogar ein Hindernis für Entwicklung seines Landes. Die Menschen glaubten daran, dass Gott alles richten werde, sagt er. Doch das Wunder werde nicht kommen - die Menschen müssten für sich selbst kämpfen.

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Nigeria ist kein verlorenes Land. 
Nigeria ist ein Land mit Potenzial.

Aber noch gibt es viele Gründe für die Nigerianer, zu gehen: Armut, Korruption, gewaltsame Konflikte.

Der Ingenieur James Olusanmi ist überzeugt, dass es dagegen nur ein Mittel gibt: wirtschaftliche Entwicklung.

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"Nigeria - Das gespaltene Land"

Eine Multimedia-Reportage von Alice Echtermann. 

Hintergrund: Unsere Reporterin war im Februar 2017 elf Tage im Süden Nigerias unterwegs. Sie ist Mitglied in dem Bremer Verein "Human and Environment", der sich für nachhaltige Entwicklung in Nigeria einsetzt. Im Rahmen der Reise besuchte sie die Städte Lagos, Ibadan und Osogbo.  

Mit zusätzlichem Bildmaterial von dpa.


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Kapitel 1 Nigeria

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Kapitel 2 Armut und Reichtum

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Kapitel 3 Gehen oder bleiben

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Kapitel 4 Religion

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Kapitel 5 Hoffnung

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