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Saisonarbeiter

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Drei von ihnen erzählen uns davon.









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Dies ist nicht nur die Geschichte von Attila, Árpád und Norbert, den Saisonarbeitern, sondern auch die Geschichte von drei jungen Männern, die auf der Suche sind.

Auf der Suche nach einer Perspektive.

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Einer der Arbeiter ist Attila. Er ist nicht gekommen, um zu bleiben. Attila ist 27 und kommt seit fast zehn Jahren nach Bassum. Sein Leben teilt sich in zwei Welten, die über 1600 Kilometer voneinander entfernt sind. Fünf Monate im Jahr lebt er in seinem Heimatdorf in Rumänien.

Von März bis September wohnt und arbeitet er in Bassum, in einem der Container auf dem Spargel- und Erdbeerhof Wichmann. "Die Möglichkeit, hier Geld zu verdienen, ist eine Chance", sagt er. Aber wenn er könnte – die Bedingungen andere wären – würde er in seinem Heimatland bleiben.

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Über 1600 Kilometer liegen zwischen Attilas Heimatort in Rumänien und dem Hof in Bassum, auf dem Attila arbeitet.

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Attila wohnt, wie ein Teil der Arbeiter in der Saison in einem der Container, mehrere Monate auf wenigen Quadratmetern.

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Die Arbeit auf dem Wichmannhof sei hart, aber "alles ist gut für uns durchdacht“, findet Attila. Er hat in den zehn Jahren Saisonarbeit Deutsch gelernt, kennt sich mit den Abläufen auf dem Hof aus, weiß, was wann bei der Ernte wichtig ist. Deshalb ist er nicht mehr nur auf dem Feld im Einsatz. Er übernimmt organisatorische Aufgaben, übersetzt, arbeitet die neuen Saisonarbeiter ein und kontrolliert die Arbeit.

Von dem Geld, das er in der Saison in Deutschland verdient, kann er in Rumänien den Rest des Jahres leben. Er arbeitet dort nicht und wohnt noch bei seinen Eltern.

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Knapp 285.000 Saisonarbeiter arbeiteten laut Statistischem Bundesamt 2016 in der Landwirtschaft. 2010 waren es noch rund 330.000. Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer spricht von einem "Erntehelfermangel". Dabei ist die Landwirtschaft auf sie angewiesen  – so auch der Wichmannhof in Bassum.

Die meisten der Arbeiter mit denen wir gesprochen haben, stammen aus Rumänien, einige aus Polen.




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Die Saisonarbeiter verdienen

8,84 Euro pro Stunde.

Sie bezahlen davon allerdings noch Miete und Essen. Der Mindestlohn, der auch für ausländische Saisonarbeiter in Deutschland gilt, kommt nicht bei allen an. Es gibt Höfe, die  von den Arbeitern so viel für Kost und Logis verlangen, dass nur noch wenig vom Mindestlohn übrig bleibt.

"Der Mindestlohn wird immer wieder branchenübergreifend systematisch unterwandert", sagte DGB-Landesvorsitzender Dietmar Muscheid, nachdem ein Fall in Reinland-Pfalz öffentlich wurde, bei dem tausende Erntehelfer unter dem Mindestlohn bezahlt wurden. 

In Bassum bekommen die Saisonarbeiter den Mindestlohn und zahlen nur rund vier Euro Miete am Tag. Das was übrig bleibt, ist im Vergleich zum Lohn in Rumänien viel Geld.    

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Árpád Koszta hat zu Hause in Rumänien eine kleine Familie. Er vermisst seine Frau und sein Kind jede Minute, sagt er.

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Den Kontakt zu seiner Familie hält  Árpád abends nach Feierabend über sein Handy. Er versucht jeden Tag mit ihnen zu telefonieren.

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In diesem Flachbau, einsam gelegen an einer Landstraße nahe Bassum, wohnt Árpád gemeinsam mit anderen rumänischen Arbeitern. Im Haus daneben schlafen die polnischen Erntehelferinnen.

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 Es gibt Warmgemachtes aus Dosen. Die Stimmung ist gut in der Runde. Nach dem langen Tag auf dem Feld währt die Geselligkeit aber nicht lang. Genug Schlaf ist wichtig, um am nächsten Tag wieder fit für die Arbeit zu sein.

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Unter den Saisonarbeitern sind auch viele Frauen. 45 Prozent der Saisonarbeitskräfte in Deutschland sind Frauen. Auf dem Wichmannhof pflücken sie vor allem Erdbeeren oder sortieren und waschen den Spargel. Die meisten sind Polinnen, während der Großteil der Männer, die zum Arbeiten nach Bassum kommen, aus Rumänien stammt. Die Frauen auf dem Wichmannhof, die wir treffen, sprechen weder Deutsch noch Englisch.

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Norbert ist 20. Er ist zum ersten Mal auf dem Wichmannhof. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder kam er nach Deutschland. Nach der Arbeit langweilt er sich, erklärt er uns auf Englisch. Dann chattet er übers Handy mit seinen Freunden in Rumänien. In Bassum hat er außer zu den anderen Saisonarbeitern keine Kontakte und unternimmt nach der Arbeit eigentlich nie etwas, erzählt er uns.

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In Drei- bis Sechsbettzimmern wohnen die rumänischen Spargelstecher. Privatsphäre gibt es kaum. Wenn er nicht arbeitet, ist Norbert gedanklich bei seinen Freunden in Rumänien, er schaut sich Bilder und Videos von ihnen auf seinem Smartphone an.

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Viel zu tun gibt es für Norbert, Árpád und seine Zimmergenossen nach dem Feierabend nicht.

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In Attilas, Árpáds und Norberts Heimatland Rumänien verdienen die Menschen im Durchschnitt 9470 Euro im Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt laut statistischem Bundesamt bei 4,8 Prozent. In anderen europäischen Ländern ist sie weit höher: Spanien hat eine Arbeitslosenquote von 16,9 Prozent, in Griechenland liegt sie bei 21,4 Prozent. 

Attila, Árpád, Norbert und viele andere junge Männer und Frauen gehen trotzdem den Schritt und kommen zum Arbeiten nach Deutschland. In ihrem Land sehen sie keine Perspektive.

Warum?


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Autorin:

Lieselotte Scheewe

Fotos und Videos:
Jonas Kako 
Lieselotte Scheewe

Technische Unterstützung:
Christian Walter



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