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Die Bombennacht 1944

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Einleitung

Die Geschichte einer Nacht –
Eine Multimedia-Reportage zum 75. Jahrestag der Bombennacht vom 18. und 19. August 1944. 



Weitere Multimedia-Reportagen des WESER-KURIER finden Sie hier.







Hinweis: Um die Reportage komplett verfolgen zu können, empfehlen wir Ihnen, den Ton einzuschalten. 
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Fliegeralarme, feindliche Flugzeuge und fallende Bomben sind im Zweiten Weltkrieg keine Seltenheit – auch in Bremen nicht. Dennoch bleibt ein Ereignis besonders in der Erinnerung: die Bombennacht von 1944.

Vom 18. auf den 19. August werfen britische Flugzeuge 120.000 Bomben auf die Stadt, vor allem der Westen Bremens wird extrem schwer getroffen und fast vollständig zerstört. 1054 Menschen sterben. 
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Es ist heiß, fast 30 Grad Celsius herrschen in Bremen. Zum ersten Mal ertönt am Nachmittag das Signal für Fliegeralarm über der Stadt. 


Menschen flüchten in Bunker – auch in solche, die nicht fertig sind. Einige befinden sich noch im Bau, haben keine Türen. Viele Bremer sind genervt. Entwarnung folgt um 19 Uhr. Sicher ist man während des Zweiten Weltkrieges, seit fast genau fünf Jahren, nicht.


Das Bild zeigt den Bunker an der Kornstraße in der Bremer Neustadt.







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Feindliche Flugzeuge starten

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Im Nordosten Englands startet um 20.46 Uhr der erste von 16 Fliegern des 428. Squadrons. Das Squadron ist das erste der Royal Canadian Air Force, das ab Ende 1942 an den strategischen Bombenangriffen der Allierten teilnimmt.

Das Foto zeigt die Crew um die Flugoffiziere W.C. Chester und A.J. Carter (Bildmitte mit Flugmütze, von links) vor dem Angriff auf Bremen. Der Abflug der Crew war der 2000. Start eines Fliegers des 428. Squadrons im Zweiten Weltkrieg.  Das Squadron hatte auch den Spitznamen "Ghost Squadron", da es meist nachts unterwegs war.
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Das Signal für Luftgefahr ertönt um kurz nach halb elf über Bremen. Gegnerische Bomber nähern sich. Menschen reagieren routiniert, genervt, viele sind müde, wollen ins Bett.

In den vergangenen vier Jahren ertönten über 500 Alarme, Angriffe gab es 131 – etwa alle zwei Wochen einer.

Eine Dreiviertelstunde später verschärft sich das Signal. "Luftalarm 15" gellt über die Stadt. Ein Angriff steht wenige Minuten bevor. 
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Noch ist alles ruhig, es ist 23 Uhr. Die Luft in den Bunkern wird langsam schlechter, die Stimmung ist angespannt. 

Menschen stricken, lesen, einige unterhalten sich. Ein Zeitzeuge, der den Angriff im Bunker Muggenburg verbracht hat, schreibt „Man hört  noch nichts. Ich löse Kreuzworträtsel und Wortketten“.


Das Bild stammt aus dem Bunker an der Schierker Straße in der östlichen Vorstadt. 




Eine Reportage über Bunker in Bremen finden Sie hier.
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Um kurz vor Mitternacht meldet das Polizeirevier Hafen (Überseestadt) den ersten Bombenabwurf. Danach treffen weitere Meldungen der Reviere und Feuerwehren ein. 

„Jetzt kommen die schrecklichsten Minuten. Flak schießt. Bomben. Bomben. Krachen. Bersten. Die angelehnten Luftklappen fliegen auf. Druck in den Ohren. Leute rücken zusammen. Die Nerven zittern, ohne dass man es will.

Bomben. Bersten. Krachen. Juchen und Schreien der Leute, Klatschen an der Bunkermauer. Beben und Schaukeln des Betonklotzes, unaufhörlich.“
  

So steht es im Tagebuch des damals 18-jährigen Günter Unger.
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So sah Bremen während des Angriffs von oben aus. Das Foto stammt aus einer britischen Maschine und wurde von einem Markierer aufgenommen, der am Zielort nach unten blickt, um den Piloten über den Zeitpunkt des Bombenabwurfs zu informieren. 

Ron Mayhill, ein Mitglied des 75. Squadrons, berichtet aus seiner Erfahrung:  „Wir waren über drei Meilen in der Luft und alles, was man gesehen hat, war ein Mix an Farben und Action. Die Zerstörung selbst haben wir nie gesehen.“  
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Zwei Minuten nach dem Revier Hafen meldet das Polizeirevier Ost schwere Einschläge. Dann folgt das Revier Nord. Der Süden. Delmenhorst. Die Meldungen legen nahe, dass Bomber einen Kreis über Bremen gezogen haben und sich auf dem Rückweg befinden.

Auch auf das Gelände der Haake-Beck-Braurei fallen Brandbomben und eine Luftmine. Werkseigene Kräfte löschen das Feuer, eine Bombe detoniert nicht. 

„Viele Mitleidende beten. Ich habe alle bisherigen Angriffe auf Bremen mitgemacht, aber in so konzentrierter Form habe ich es noch nicht erlebt. Die Bomben fallen in Sekundenabständen“,  schreibt ein Zeitzeuge in sein Tagebuch.


Auf dem Bild sehen Sie die Lichtkegel der Scheinwerfer auf der Suche nach feindlichen Bombern. Dazu hören Sie Flakgeschütz. 


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„Es hatte keiner Panik, aber es hat auch keiner was gesagt. Es war mucksmäuschenstill. Ich denke, dass jeder Todesangst hatte.“


So beschreibt Erika Groll die Stimmung im Bunker Admiralstraße. Erst am Morgen darf sie ihn mit ihrer Mutter verlassen. 

"Es war ein furchtbarer Gestank und alles war verraucht. Es wurde gar nicht hell.“ Das Dreifamilienhaus, in dem Mutter und Tochter lebten, ist zerstört. „Es war nichts mehr da, von oben bis unten ausgebrannt.“

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Erika Groll erinnert sich an das Verlassen des Hochbunkers am heutigen Schlachthof. Die 91-Jährige lebt mittlerweile in der Bremer Neustadt. 

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Rund 30 Minuten fallen Bomben auf Bremen, besonders schwer wird der heutige Westen getroffen.

Die Bilanz einer Nacht:

  • 274 britische Flugzeuge werfen
  • rund 120.000 Bomben.
  • 1054 Menschen sterben,
  • 730 werden schwer verletzt.
  • 50.000 Wohnungen, 
  • fünf Kirchen und 
  • über 100 Industriegebäude werden zerstört.

In einer Nacht entstehen 60 Prozent aller Kriegsschäden in Bremen. 30 Prozent der Kriegsopfer der Stadt sterben. 
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Die Zerstörungen sind verheerend. Schiffe sind gesunken, Brücken beschädigt. Originalaufnahmen zeigen das Ausmaß.

Betroffene beginnen bereits mit Aufräumen und dem Wiederaufbau der Stadt. 
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Um kurz vor zwei Uhr gibt es Entwarnung. Es kommen keine weitere feindlichen Flugzeuge, keine Bomben. 

Menschen verlassen in Scharen die Bunker. Dann zeigt sich, wie dramatisch die Situation draußen ist. In Bremen ist weiterhin Großalarm, durch die zahlreichen Brände hat sich in der Stadt ein Feuersturm gebildet.
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Ein Polizist beschreibt im Erfahrungsbericht seine Eindrücke der zerstörten Stadt:

"Gegen 0.40 Uhr fuhr ich (...) durch den Waller Ring zur Waller Heerstraße in Richtung Panzenberg, kam aber nur bis etwa Höhe Zwinglistraße."

Auf einer weiteren Seite heißt es: "Gegen 1.40 Uhr etwa versuchte ich nochmals, auf verschiedenen Wegen in das vorerwähnte Feuersturmgebiet vorzudringen, vor allem auch zum Bunker Grenzstraße zu gelangen, da dort Einschlussgefahr bestand."  

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Das Ausmaß der Zerstörung ist unglaublich. Feuerwehr und Einsatzkräfte versuchen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Überall entstehen neue Brände, verbinden sich. 

„Keine Löschkräfte mehr vorhanden, ca. 15 Kompanien erforderlich" 

„Bunkerbesucher durch Feuer eingeschlossen. Schaffung einer Wassergasse erforderlich. Löschkräfte nicht mehr vorhanden“,
meldet die Feuerwehr vom noch unfertigen Bunker Zwinglistraße.

„Hilfe dringend erforderlich. Keine Kräfte mehr“  

"Melder können infolge von Feuersturm nicht durch. Erheblicher Schaden ist zu erwarten“.

Die Telegramme der Feuerwehr gleichen Hilferufen.






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Menschen wandern ziellos durch die Straßen. Sie suchen Familie, Freunde und finden Tote, Verletzte und zerstörte Häuser. 

Günter Unger schreibt: "Alles kaputt. Das ganze Inventar, unsere schönen Möbel, auf Bildern kann ich sie nun jahrelang besehen. Mein Geburtshaus, Bremen, Tritonstraße 14, ist ausgestorben.“


Dramatisch ist die Situation am Panzenberg, dem am stärksten betroffenen Gebiet. 
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Im Gemeinschaftslager am Panzenberg schlägt eine Bombe ein. Durch die Detonation sterben 78 Personen, alles Männer. Nur wenige Meter weiter werden 19 Menschen in einem Luftschutzraum verschüttet. Die Bergung beginnt umgehend, lebend wird jedoch keine Person gefunden.

Anders im Bunker Zwinglistraße: Der Löschzug West-2, der seit 0.22 Uhr im Einsatz ist und erst gegen 14.35 Uhr seinen Dienst beenden wird, löscht die Flammen und rettet 2000 Menschen das Leben. 



Einen Ticker mit den Ereignissen der Nacht lesen Sie hier. 




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Das damalige Waller Gemeindehaus stand in der Waller Heerstraße 168/170. Hier sieht man die Menschen bei der Essensausgabe. 

Für Überlebende gibt es Sonderzuteilungen. Die BREMER NACHRICHTEN meldeten am 22. August, dass der Gauleiter 50 Gramm Bohnenkaffee, eine halbe Flasche Branntwein, für Kinder 125 Gramm Süßwaren genehmigt habe. 





Weitere Bilder sehen Sie hier. 
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Diese Reportage ist aus unserem Liveblog zur Bombennacht entstanden. Im Video sehen Sie einige der Materialien, mit denen wir gearbeitet haben. Darunter sind Karten, Polizeiberichte, Tagebucheinträge, Log- und Wachbücher und Gespräche mit Zeitzeugen. 

Vieles stammt von Privatpersonen, manches aus dem Staatsarchiv Bremen, dem Kulturhaus Brodelpott in Walle und aus dem Archiv der Feuerwehr. 


Mehr dazu erfahren Sie hier. 
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Autoren: 
Max Seidenfaden
Jan-Felix Jasch

Fotos und Videos:
Christian Walter

Vanessa Ranft

Staatsarchiv Bremen/Walter Cüppers, Rudolf Stickelmann, Hans Köster

Kulturhaus Brodelpott

Imperial War Museum

Department of National Defence Collection / Library and Archives Canada

NZBCA Archives

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